Nordische Magie

Nachlesen – die verborgenen Fäden des Schicksals

Mein erster Kontakt mit den Raunächten ist schon eine Weile her. Er stand damals im Kontext mit der anthroposophischen Weltanschauung. Die Erzieherin meiner Kinder im Kindergarten erzählte mir, dass sie zwischen den Jahren keine Gegenstände benutzte, die sich drehen. Das heißt, sie nutze während der Raunächte kein Auto, kein Fahrrad und keine Waschmaschine.

Damals fehlte mir das Verständnis und der Sinn eines solchen Verhaltens. Sicher hat mir die Erzieherin ihre Beweggründe damals versucht nahe zu bringen, jedoch hat sich mir die Einsicht über die Notwendigkeit dieser “Tat” verschlossen. Heute, Jahrzehnte später, verstehe ich die Symbolik hinter dem Vorgehen. Aber davon später mehr. Zunächst möchte ich etwas über die Raunächte – der Zeit zwischen den Zeiten erzählen.

Die Rauhnächte – Die Tage und Nächte außerhalb der Zeit

Es gibt unterschiedliche Auffassungen darüber, welche Tage und Nächte nun tatsächlich die Raunächte sind. In alten Zeiten wurden sie regional unterschiedlich angesiedelt. Heute handhaben es Menschen individuell, so wie es sich für sie stimmig anfühlt. Oft werden die zwölf Raunächte kalendarisch zwischen Weihnachten und den Heiligen Drei Königen zugeordnet.

Im 4. Jahrhundert wurde das Weihnachtsfest eingeführt. Man legte es kalendarisch auf den 25. Dezember. Im 13. Jahrhundert berichtete Snorri Sturluson in der Heimskringlasaga von Leben und Taten Håkons I., des Guten (um 920–960). Danach soll Håkon als getaufter Herrscher über Heiden und Christen das heidnische Jul, eines der drei wichtigsten Feste im Jahr und das christliche Weihnachtsfest auf den 25. Dezember vereint haben.

„Er (Hákon) setzte in Gesetzen fest, das Julfest zu der Zeit abzuhalten wie die Christen. Ein jeder Mann war unter Androhung einer Geldstrafe dazu angehalten, Bier zu brauen, um Jul zu heiligen. Zuvor wurde das Julfest in der Hacknacht begonnen, das war die Mittwinternacht und es wurde drei Tage lang Jul gehalten.“

Das Julfest wird heute manchmal zum astronomischen Datum der Wintersonnenwende, dem 21. Dezember, oder durch Hákon den Guten zugeschriebenen Termin, dem 25. Dezember zugeorndet. Aber auch am ursprünglichen heidnischen Termin, dem Vollmond, der nach den Raunächten als erster zu beobachten ist, dem Julmond.

Für mich beginnen die Raunächte mit der Wintersonnenwende, dem 21. Dezember, der längsten Nacht des Jahres. An diesem Tag wurde traditionell die Wiederkehr des Lichts gefeiert. Die Natur, die sich zurückgezogen hat, erwacht zu neuem Leben. Die Verehrung der Sonne hatte in früherer Zeit eine essenzielle Bedeutung für das irdische Leben.

Wie erleben wir die Rauhnächte?

Es gibt Menschen, die während der Raunächte unruhig schlafen und intensive Träume haben. Oft träumen sie von ihren Ahnen. Sie erinnern sich plötzlich daran, welche Erlebnisse sie mit ihren geliebten Vorfahren hatten, welche innigen Bindungen bestanden. Andere Menschen sind emotionaler und empfindsamer als sonst. Bei vielen Menschen erwacht das Gefühl – zu Hause sein zu wollen, sie haben das Bedürfnis nach Ruhe und Besinnlichkeit.

Die Anderszeit

Die Raunächte weisen auf einen Zeitabstand, eine Distanz zwischen dem Sonnenkalenderlauf und dem Mondkalender hin. In der Zeit “zwischen, den Jahren” werden die Kräfte zwischen Sonne und Mond ausgeglichen. Während dieses Ausgleichs erwacht in uns ein Stadium höchster Spannung und gleichzeitig tiefster Einsichten. Die Tore zu den Anderswelten sind während der Raunächte weit geöffnet und lassen die unterschiedlichsten Wesen auf die Erde. Es drängen sich dann für zwölf Tage und besonders in den Nächten – Geister, Tierwesen, Götter und uns wohlgesonnene Kräfte auf die Erde.

Uraltes Wissen Uralte Bräuche

In unserer modernen Zeit mit Zentralheizungen in den Häusern, heißem Wasser, das aus dem Wasserhahn kommt, prall gefüllten Kühlschränken, fällt es uns heute schwer, die Bedeutung der Raunächte nachzuvollziehen. Gehen wir jedoch in einer abgelegenen Gegend spät abends nach draußen, kann einem schnell bewusst werden, warum Menschen in dieser Zeit besondere Bräuche entwickelten.

Bei Menschen vor uns, die in der Einsamkeit oder in abgelegenen Dörfern in einfachen Holzhütten wohnten, unter Dächern, durch den man den Sturm heulen hörte, erwachten Ängste – wenn das schaurige Getöse in den Winternächten anwuchs. Die Menschen damals hofften, den kalten Winter mit ihren geringen Vorräten und einer Feuerstelle zu überstehen. Bräuche hatten daher für unsere Ahnen eine bedeutungsvolle Stellung. Bräuche sollten etwas Negatives verhindern oder etwas Positives bewirken.

Bräuche sollten Einfluss auf die Fruchtbarkeit der Menschen und Tiere sowie das Gedeihen der Frucht auf den Feldern haben. Verhaltensregeln und Bräuche sollten für ein gutes Gelingen sorgen. Auf keinen Fall durften jedoch die Geister verärgert werden. Menschen vor uns haben viel stärker, als wir heute eine ganzheitliche Sicht gehabt, die auf Erfahrungswissen basierte, mit einer Logik, die für uns schwer nachzuvollziehen ist. Für einige Menschen mag das heute wunderlich klingen, doch hinter dieser Weltsicht verbirgt sich das Wissen über die geistige Welt mit all den Wesen, die mit uns die Erde bewohnen. Diese gilt es zu achten.

Rational betrachtet, könnte man denken, dass Menschen vor uns, die in großer Dunkelheit verweilten, eine Dämonische Fantasievorstellung hatten. Sie erlagen einfach nur ihren Trugbildern. Wenn du in einer solchen Nacht trotz all der Aufklärung hinaus in die Natur gehst, bist du sicher, dass du alles um dich herum richtig einschätzten kannst? Abgeschiedenheit, Dunkelheit, Kälte und Sturm erzeugen eine unheimliche Stimmung. Ist es tatsächlich eine unheimliche Stimmung oder ist es vielleicht eine heilige Stille?

Raus aus dem immergleichen – die magische Zeit bewusst gestalten?

Bräuche sollen außerdem eine positive Wirkung auf die innere und äußere Haltung haben. Raus aus den Gewohnheiten, weniger Erledigungen unter Zeitdruck, Hast, Unruhe und dem vorhandenen Gedankenkarussell. Es ist die Zeit, um sich auf das Wesentliche und sich selbst zu konzentrieren, in Einklang mit sich und mit der Natur.

Bräuche und Regeln zwischen den Jahren

  • Nacht’s stellt man ein Licht ins Fenster, um von bösen Geistern verschont zu bleiben.
  • Vielerorts wird geräuchert, um alles von alten Energien zu reinigen.
  • Während der gesamten Raunächte sollten alle Räder still stehen.
  • Es sollte keine Wäsche gewaschen oder zum Trocknen aufgehängt werden.
  • Man sollte nicht streiten, fluchen, schimpfen oder mit Türen schlagen.
  • Es ist die Zeit des Lauschens, man sollte sich daher viel gegenseitig erzählen und besonders gut zuhören.
    Es gibt noch viele andere regional geprägte Bräuche. Für mich gehört eindeutig auch das Orakeln in die Raunächte. Die Durchlässigkeit zur Andereswelt, kann gerade jetzt den Kontakt zu den Ahnen erleichtern. Diese können gute Weisheiten über die vergangene Zeit vermitteln oder etwas über die Zukunft erahnen lassen. Für (m)eine gute Sichtbarkeit während der Raunächte zünde ich eine Kerze in einem Windlicht am 21. Dezember an, die zwölf Tage draußen vor meine Haustür brennen darf.

     

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