Wer sich mit Spiritualität oder Bewusstsein beschäftig, stößt irgendwann unwiderruflich auf den Begriff des inneren Kindes. Was ist damit gemeint? Durch Bücher von John Bradshaw, Erika Chopich und Margaret Paul ist die modellhafte Betrachtungsweise vom inneren Kind bekannt geworden.
Menschen erleben während der Kindheit neben Gefühle von: Freude, Glück und Neugier auch Gefühle von: Verlassenheit, Wut und Angst. Die daraus erworbenen Erfahrungen und Emotionen werden speziellen Gehirnarealen zugeordnet. Therapeuten und auch Heiler haben bei der Arbeit mit dem inneren Kind verschiedene Ansätze, die mit Begriffen wie: Innerer Erwachsener, innerer Regisseur, hilfreiche Wesen, sicherer Ort – verbunden werden.
Der Ansatz bei der Arbeit mit dem Inneren Kind ist es, seelische Wunden der Vergangenheit und Gegenwart zu heilen. Wiederkehrende Glaubens- und Lebensmuster sollen so vom „Betroffenen“ selbst erkannt und ein selbstverantwortlicher Umgang erlernt werden.
Das Ziel hierbei ist es einerseits, das positiv Erlebte aus der Kindheit ins Bewusstsein hervorzuheben und als Ressource zu nutzen. Andererseits aus der (Ein)Sicht des erwachsenen Menschen, dem inneren Kind die Zuwendung zu schenken, die in der Kindheit fehlte. Hieraus sollen psychische Verletzungen aus der Kindheit heilen. Die Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung sowie dem Bedürfnis, bedingungslos angenommen zu sein, soll bei der Arbeit mit dem inneren Kind angestrebt werden.
Was bedeutet es, einen Seelenteilverlust zu haben?
Eine bedrohliche Situation kann bei einem Menschen zu einem Seelenteilverlust führen. Es gibt bedrohliche Situationen wie: Gewalt, Missbrauch, körperliche oder geistige Misshandlung, Unfälle. Aber es gibt auch die „kleineren“, schwer aushaltbaren Lebensumstände, die einen Teil der Seele veranlassen, in die nicht alltägliche Wirklichkeit zu gehen. Zu diesen zähle ich beispielsweise: Mobbing, Trennungen, Verlust eines geliebten Menschen, Operationen. Warum nun verlässt ein Teil der Seele einen Menschen?
Der Teil der Seele, der sich in die nicht alltägliche Wirklichkeit zurückzieht, nimmt den Schmerz eines Schocks und die Last einer Tragödie sowie einen großen Teil der Erinnerung mit sich, damit der Geist und der Körper nicht an dem Geschehen zerbrechen, damit ein Mensch „unversehrt“ weiterleben kann. Leider nimmt dieser Teil in der Regel auch Lebensfreude, Fähigkeiten und Talente mit.
Große Verluste von Seelenanteilen verursachen innere Leere, Depressionen, Süchte (-das Loch will gestopft werden), chronische Krankheiten. Manchmal sind es auch kleine einfache Dinge, mit denen Menschen nach dem Verlust von Seelenanteilen nicht weiterkommen. Entscheidungs-Unsicherheiten, Orientierungslosigkeit, allgemeine Müdigkeit und das Gefühl „nicht bei sich zu sein“. Bei einer Heilbehandlung, dem Ritual der Seelenrückholung, ist es das Ziel, diese verloren gegangenen Seelenteile in der nicht alltäglichen Wirklichkeit zu finden. Dem Hilfesuchenden Seelenkraft und Seelenenergie wieder zurückzugeben. Dabei nimmt der Schamane oft die Situation war, in der der Verlust stattgefunden hat. Nach der Seelenrückholung können Fähigkeiten und Talente, aber auch Erinnerungen und Gefühle, die vom Trauma herrühren, wieder präsent sein.
Die Arbeit mit dem Inneren Kind beschreibt geistige Arbeit.
Ein Mensch, der sein inneres Kind „heilen“ möchte, arbeit an seinen Glaubens- und Gedankenmuster. Er „schreibt“ quasi sein eigenes Lebens-Manuskript der Kindheit neu. Die Erfahrungen der Vergangenheit bekommt damit eine neue „Bewertung“. Erfahrungen und Erinnerungen der Kindheit, die mit negativen Gefühlen verbunden sind, treten zurück und verlieren ihre Energie.
Bei der Seelenrückholung handelt es sich um Seelenarbeit.
Nach dem Verlust eines Seelenteils durch ein Trauma wird eine Seelenrückholung durch einen schamanisch Tätigen durchgeführt. Es ist keine Arbeit des Geistes oder des Bewusstseins. Das Ritual der Seelenrückholung findet auf der Seelenebene zwischen einem schamanisch Tätigen und einem Betroffenen statt.
Bei der Arbeit mit dem inneren Kind versucht der Geist (Ich Bewusstsein), Erfahrungen zu verarbeiten und neu zu bewerten. Bei der Seelenrückholung wird einem Menschen durch das Zurückbringen eines Seelenteils Seelenenergie zurückgegeben. Eine Seelenrückholung geht über das Heilen der Psyche oder des inneren Kindes weit hinaus. Es geht um die Vereinigung von Lebensessenz.
Bei beiden „Systemen“ geht es um negative Gefühle, die starke Auswirkungen auf das Leben eines Menschen haben.
Der Geist ist mehr als ein Denkapparat, reine Nervenarbeit oder das Funktionieren von Synapsen. Der Geist steht mit der Bewusstwerdung in Verbindung. Er plant, regelt, sortiert, filtert, verarbeitet Sinneseindrücke. Er macht dies ganz gut, finde ich. Aber er kann auch ein Unruhestifter, Zauderer, Verweigerer und Quälgeist sein.
Wenn ein Trauma im Leben auftaucht, ist der Geist mit dem Wissen um diese Erfahrung überfordert. Die Seele reagiert auf die Krise und die Ausnahmesituation des Geistes (Bewusstwerdung) und spaltet einen Teil der Seele zusammen mit dem Schmerz und der Erfahrung ab. Wenn ein Mensch zu mir kommt, bei dem klar erkennbar ist, dass ein Seelenteilverlust vorliegt, warte ich dennoch mit der Durchführung einer Seelenrückholung auf den richtigen Zeitpunkt.
Eine gute Verbindung zu spirituellen Verbündeten sollte aufgebaut worden sein, um nach der Seelenrückholung bei einer emotionalen Schieflage dem wiederzurückgewonnenen Seelenteil Sicherheit bieten zu können. Manchmal müssen vor einer Seelenrückholung noch die Dämonen der Vergangenheit „versorgt“ oder auch in die Schranken gewiesen werden. Dafür kann die Arbeit mit dem inneren Kind genutzt werden. Am Ende dieses Entwicklungsprozesses kann dann eine Seelenrückholung – die Vollendung zum Heilsein werden.
Körper – Geist – Seele
Die Begriffe Körper – Geist – Seele sind vielen Menschen geläufig. Jedoch gibt es individuelle Vorstellung jedes Menschen über diese Erscheinungen.
Ich möchte dir noch ein Bild anbieten. Stell dir vor, dein inneres Erleben ist ein großes Haus. Ein Haus mit vielen Räumen. Einige davon werden täglich genutzt. Sie sind hell. Vertraut. Gut erreichbar. Andere Räume liegen weiter innen. Oder tiefer. Manche Türen stehen offen. Andere sind verschlossen. Der Geist bewegt sich in diesem Haus. Er kennt die Flure. Er weiß, wo Lichtschalter sind. Er sorgt dafür, dass der Alltag funktioniert. Er ist zuständig für Ordnung, Orientierung und Überblick.
Die Seele ist nicht ein Raum in diesem Haus. Sie ist das Haus selbst. Sie trägt alle Räume – auch jene, die lange nicht betreten wurden. Auch jene, deren Türen aus gutem Grund einmal geschlossen wurden. Der Geist kann sich erinnern, warum bestimmte Türen verschlossen sind. Er kann verstehen. Er kann erklären. Aber er kann sie nicht allein öffnen. Manchmal geschieht etwas anderes. Ein Raum meldet sich. Nicht als Gedanke. Sondern als Gefühl. Als Leere. Oder als unerklärliche Sehnsucht. In solchen Momenten reicht Ordnung nicht aus.
Dann geht es nicht darum, einen Raum neu zu möblieren. Sondern darum, einen Teil des Hauses wieder zu betreten, der lange nicht bewohnt war. Wenn das geschieht, kehrt nicht nur Erinnerung zurück. Es kehrt Lebendigkeit zurück. Und der Geist erkennt: Er muss das Haus nicht kontrollieren. Er darf sich darin bewegen – in dem Wissen, dass es ihn trägt.
