Der Großvater und sein Enkel

Der Großvater und sein Enkel

Sitzender Großvater

Es war einmal ein Großvater, der schon sehr, sehr alt war. Seine Beine gehorchten ihm nicht mehr, die Augen sahen schlecht, die Ohren hörten nicht mehr viel und Zähne hatte er auch keine mehr. Wenn er aß, floss dem alten Mann die Suppe aus dem Mund. Der Sohn und die Schwiegertochter ließen ihn deshalb nicht mehr am Tisch mitessen, sondern brachten ihm sein Essen hinter den Ofen, wo er in seiner Ecke saß.

Eines Tages, als man ihm die Suppe in einer Schale hingetragen hatte, ließ er die Schale fallen und sie zerbrach. Die Schwiegertochter machte dem Greis Vorwürfe, dass er ihnen im Haus alles beschädige und das Geschirr zerschlage und sagte, dass sie ihm von jetzt an das Essen in einem Holzschüsselchen geben werde. Der Greis seufzte nur und sagte nichts.

Als der Mann und die Frau einige Tage später zu Hause beisammen saßen, sahen sie, dass ihr Söhnchen auf dem Fußboden mit kleinen Brettern spielte und etwas zimmerte. Der Vater fragte ihn: “Was soll das denn werden, Mischa?” Und Mischa antwortete: “Das soll ein Holzschüsselchen werden, Väterchen. 

Milchuppe

Daraus werde ich dir und der Mutter zu essen geben, wenn Ihr alt geworden seid.“ Der Mann und die Frau sahen sich an und weinten. Ihnen wurde plötzlich bewusst, wie sehr sie den Greis gekränkt hatten und sie schämten sich. Fortan ließen sie ihn wieder am Tisch sitzen und waren freundlich zu ihm.

Die Geschichte vom Großvater und seinem Enkel habe ich als Kind gehört. Achtsamkeit und Rücksichtnahme den Menschen, Tieren und der Natur gegenüber sind gefragter und angesagter den je. Es ist hilfreich, hin und wieder einen “Spiegel vorgehalten” zu bekommen und sich hierdurch des eigenen Verhaltens bewußter zu werden. 

©Text: nach Tolstoi, Bildquelle: Cornelia, Ildi Fotolia.de

Die Göttin des Glücks

Die Göttin des Glücks

In einem einsamen Dorf hoch in den Bergen von Nepal lebte einst eine alte Frau mit ihrem einzigen Sohn. Die beiden waren sehr arm und fristeten ihr Dasein, indem sie für die anderen Dorfbewohner die niedrigsten Arbeiten verrichteten. Wenn die Dinge besonders schlecht standen, mussten sie sogar betteln gehen. Mit den Jahren wurde der Junge aber immer unzufriedener mit seinem Leben. Eines Tages fragte er: “Mutter, weshalb sind wir so arm? Weshalb haben wir so wenig um satt zu werden und uns zu kleiden? “Seine Mutter antwortete mit leiser Stimme: “Wir müssen es hinnehmen, mein Sohn, denn es ist der Wille der Götter. Es ist unser Schicksal“. Der Junge aber war mit dieser Antwort ganz und gar nicht zufrieden und er beschloss sofort aufzubrechen, um den Herrn der Welt zu suchen und ihm dieselbe Frage zu stellen. Natürlich erhoffte er sich von ihm eine bessere Antwort.

Nach vielen Stunden kam er in einen dichten Urwald. Und da er mittlerweile erschöpft und hungrig war, setzte er sich nieder, um sich auszuruhen. Der Zufall wollte es, dass gerade der Gott Shiva und die Göttin Parvati vorbeikamen. Als Shiva den Jungen erblickte, fragte er ihn: “Mein Kind, was tust du ganz allein an diesem Furchteinflößenden Ort“? Da erzählte der Junge Shiva und Parvati von seiner Mutter, die so arm war, dass sie betteln musste. “Ich will den Herrn der Welt finden, um ihn zu fragen, warum wir so arm sind. Wenn ich erst einmal die Antwort auf diese Frage kenne, werde ich auch reich werden“. Die Geschichte des Jungen bewegte den Gott und die Göttin sehr und Parvati sprach zu Shiva: “Mein Herr und Meister, lasst uns diesem Kind noch heute ein Geschenk machen“.

Shiva aber schüttelte bedächtig den Kopf. “Nein, meine liebe Parvati, das können wir nicht tun, denn der Junge und seine Mutter dürfen nicht mehr bekommen, als das Schicksal ihnen bestimmt hat. Was immer darüber hinaus in ihren Besitz gelangt, wird auch bald wieder verloren sein und dann wird es ihnen schlechter gehen als zuvor“. Parvati war nicht zufrieden mit dieser Antwort. Sie setzte Shiva so lange zu, bis er schließlich seine Meinung änderte und dem Jungen eine goldene Halskette zum Geschenk reichte. Der Junge war überglücklich! Freudig nahm er die Halskette, bedanke sich und machte sich auf den Weg nach Hause zu seiner Mutter. Doch als er so dahin schritt, fühlte er sich elender und elender. Als er es nicht mehr länger aushalten konnte, legte er sein Bündel und die Halskette beiseite, um sich im Gebüsch zu erleichtern. Währenddessen kam ein großer Adler vorbei geflogen. Als dieser das Funkeln des Goldes erblickte, stieß er herab und flog mit der Halskette davon.

Staunender Junge

Der arme Junge weinte während seines ganzen Heimwegs. Und was noch schlimmer war: Als er schließlich daheim anlangte, wollte ihm seine Mutter kein einziges Wort von dem, was er erzählte, glauben. “Das ist eine sehr weit hergeholte Geschichte”, schnaubte sie. “Mach, dass du hinunter kommst ins Dorf und eine nützliche Arbeit findest, mit der du dir dein Brot verdienen kannst“. Doch am nächsten Tag beschloss der Junge, sich noch einmal auf den Weg zu machen, um den Herrn der Welt zu suchen und ihn zu fragen, warum seine Mutter und er so arm seien. Er schlich sich aus dem Haus, bevor seine Mutter erwachte und er lief und lief, bis ihn sein ganzer Leib schmerzte. Schließlich kam er zu derselben Stelle wie am Tag zuvor. Und wieder kamen Shiva und Parvati vorbei. Sie blieben stehen und fragten ihn: “Wie ist es dir mit der goldenen Halskette ergangen, die wir dir geschenkt haben“? Als sie vernahmen, wie er sie verloren hatte, waren sie sehr traurig, doch Shiva bestand darauf, dass der Junge nichts von dem, was man ihm schenkte, würde behalten können, solange sein Schicksal sich nicht wendete.

Parvati hatte wiederum großes Mitleid mit dem Jungen und bat Shiva, ihm zu helfen. Dieser weigerte sich, aber schließlich überredete sie ihn, sie zu dem großen Gott Brahma in seinem Palast hoch über den Bergen zu begleiten und ihn um Hilfe zu bitten. So machten sie sich auf den Weg. “Dieser Junge ist sehr tapfer, großer Meister. Bitte tut etwas, um diesem außergewöhnlichen Kind zu helfen”, so bat das Paar. Der große Gott Brahma hörte sich ihre Geschichte genau an. Dann gab er Parvati einen Diamant Ring, den sie dem Jungen bringen sollte. Mit dem Ring in der Tasche und Freude im Herzen machte sich der Junge wieder auf den Heimweg. Nach einer Weile wurde er durstig und er machte Rast an einem Fluss, um zu trinken. Doch als er sich hinkniete, um Wasser zu schöpfen, fiel ihm der Ring aus der Tasche und wurde sofort von einem Fisch verschlungen. Der arme Junge war verzweifelt! Er weinte immerfort, als er nach Hause lief, doch seine Mutter sagte: “Du dummes Kind! Wie kannst du denken, dass ich diese Geschichte glaube“?

Die Nacht kam und ging und am nächsten Morgen fühlte sich der Junge wieder kräftig und war entschlossener denn je, eine Antwort auf seine Frage zu finden. Er ging bis es später Nachmittag war und setzte sich dann hin, um auszuruhen. Und erneut kamen Shiva und Parvati vorbei. Sofort verlangten sie zu wissen, ob es ihm gelungen war, seinen kostbaren Besitz heim zu seiner Mutter zu bringen. “Oh nein”, sagte der Junge und weinte. “Ich lief, bis ich vor Durst nicht mehr laufen konnte. Als ich mich niederkniete, um aus dem Fluss zu trinken, fiel der Ring ins Wasser und wurde von einem Fisch verschlungen. Und so muss ich immer noch den Herrn der Weit finden, um eine Antwort auf meine Frage zu erhalten“.

Jetzt gingen auch Shiva die Tränen des Jungen zu Herzen und so entschied er, noch einmal zu dem großen Gott Brahma zu gehen. Gemeinsam beschlossen Brahma und Shiva, sich an Vishnu selbst zu wenden, um für das Kind etwas zu erreichen. Und als dieser die Geschichte des Jungen vernahm, war sogar Vishnu bewegt. So beschloss er, dem Jungen einige Diamanten zu schenken. Diesmal lief der Junge ohne Unterbrechung nach Hause, denn er wollte seinen Schatz nicht wieder auf der Reise verlieren. Er lief und lief, ohne auch nur einmal anzuhalten und erreichte ihre Hütte, noch bevor die Mutter von ihrem Bettelgang zurückgekehrt war. Also legte er die Diamanten an einen sicheren Platz und suchte, vor Aufregung laut rufend, seine Mutter. Diese wagte es kaum, die Geschichte zu glauben und sie eilten zurück zu ihrer Hütte. Doch was mussten sie dort sehen: Ein Dieb war in ihre Hütte eingebrochen und hatte alle Diamanten gestohlen! Jetzt war die Mutter sehr verärgert und sie schalt ihren Sohn, weil er seine Tage damit verbrachte, herumzulaufen und sich Geschichten auszudenken an statt betteln zu gehen oder sich nach einer Arbeit umzusehen. Der arme Junge ging ohne ein Wort hinaus auf die Felder und weinte bitterlich vor Enttäuschung.

Aber schon am nächsten Morgen fühlte er sich wieder besser und noch einmal machte er sich auf den Weg in den Urwald. Shiva vermochte kaum zu glauben, dass der Junge trotz all seiner Plagen und Verluste noch nicht aufgegeben hatte. “Wie erstaunlich ist der Geist dieses Jungen”, sagte er zu Parvati. Und diesmal ging er geradewegs zur Göttin des Glücks, um sie zu bitten, etwas für das Kind zu tun. Die Göttin des Glücks war so beeindruckt, dass sie selbst zu dem Urwald hinab stieg und dem Jungen eine einzelne Kupfermünze schenkte. Und obwohl es nur eine einzige Münze war, dankte ihr der Junge höflich und machte sich auf, um seinen Schatz nach Hause zu bringen. Er lief zu seiner Mutter, umarmte sie und sprach: “Jetzt verfüge auch ich über einen kleinen Besitz, Mutter, und wir brauchen nicht mehr betteln zu gehen“. Sie freuten sich miteinander und gaben diesmal gut auf die Münze Acht.

Bald darauf kam ein Fischer vorbei, der seinen Fang verkaufen wollte. Und diesmal konnten auch die Mutter und ihr Sohn etwas kaufen. “Gib uns bitte einen großen Fisch”, sagte der Junge voller Genugtuung, “denn heute haben wir Geld, um dich zu bezahlen“. Dann nahm der Junge ein Messer und machte sich daran, den Fisch zum Braten vorzubereiten. Doch wie groß war sein Erstaunen, als er den Fisch ausgenommen hatte! Denn im Innern des Fisches fand er den Ring, den er in den Fluss hatte fallen lassen. “Was haben wir für ein Glück, Mutter”, rief er voller Freude! Und seine Mutter nahm den Ring und betrachtete ihn voll Verwunderung. Dann stieg der Junge auf einen nahe gelegenen Baum, um etwas Holz zu holen, mit dem er das Feuer anfachen konnte. Ganz oben auf der Spitze des Baums befand sich das Nest eines Adlers. Als der Junge einen Blick in das Nest warf – wie erstaunte er, dort die goldene Halskette zu sehen, die er verloren hatte. Doch damit sollte es des Glücks immer noch nicht genug sein. Als er von dem Baum herabgestiegen war und nach Hause ging, hatte sich vor der Tür ihrer Hütte der Dieb eingefunden. Reumütig gestand er, er habe in der Nacht einen Traum gehabt, der ihm sagte, er müsse die Diamanten den armen Leuten zurückgeben, denen er sie gestohlen habe.

So verhalf die Göttin des Glücks einer armen Mutter und ihrem Sohn zu großem Reichtum!

Text: Märchen aus Nepal, Bildquelle: © Fotolia/matousekfoto

 

Der Traumfänger hält die Schicksale der Zukunft

Der Traumfänger hält die Schicksale der Zukunft

Vor langer Zeit, als die Welt noch jung war, stieg ein alter heiliger Mann der Lakota auf einen Berg und hatte eine Vision. In dieser Vision erschien ihm Iktomi, der clevere Schwindler und Lehrer, in Form einer Spinne. Und er sprach zu ihm in Worten, die nur ein heiliger Mann der Lakota verstehen konnte. Während er redete, nahm Spinnenmann Iktomi den Reifen aus Weidengerten, den der Alte mit sich trug und der mit Federn, Pferdehaar, Perlen und Opfergaben geschmückt war. Und er begann, ein Netz in den Reifen zu weben. 

Iktomi sprach zu dem alten Mann über den Kreislauf des Lebens, den wir als Säugling beginnen. Dann kommt die Zeit der Kindheit und schließlich die des Erwachsenseins. Am Ende sind wir alt und wir müssen wieder wie Kleinkinder umsorgt werden. So schließt sich der Kreis. Aber, sagte Iktomi, während er weiter an seinem Netz spann, in jeder Zeit unseres Lebens gibt es viele Kräfte. Einige sind gut, andere sind böse. Wenn du auf die guten Kräfte hörst, dann werden sie dich in die richtige Richtung leiten. Aber wenn du auf die bösen hörst, werden dich diese verletzen und in die Irre führen. Es gibt viele Kräfte und Richtungen, die mit der Harmonie der Dinge entweder übereinstimmen oder sie stören. Und genauso mit dem Großen Geist und all seinen Lehren. Während der Spinnenmann sprach, webte er unablässig weiter und arbeitete sich vom äußeren Rand des Reifens hin zur Mitte. 

Traumfänger

Als Iktomi seine Rede beendet hatte, gab er dem alten Lakota das fertige Netz und sagte: Sieh, dies ist ein perfekter Kreis, aber in der Mitte gibt es ein Loch. Nutze dieses Netz, um dir selbst und deinem Volk zu helfen, eure Ziele zu erreichen und eure Ideen, Träume und Visionen klug zu gebrauchen. Wenn ihr an den Großen Geist glaubt, dann wird das Netz eure guten Gedanken festhalten und die schlechten werden durch das Loch verschwinden. 

Der alte Lakota gab diese Vision an sein Volk weiter und so nutzen die Sioux jetzt den Traumfänger als das Netz ihres Lebens. Sie hängen ihn über ihre Betten oder in ihre Häuser, um ihre Träume und Visionen zu sieben. Das Gute wird vom Netz des Lebens eingefangen und weitergetragen. Doch das Böse rutscht durch das Loch hindurch aus den Träumen und damit aus dem Leben. 

Der Traumfänger hält die Schicksale der Zukunft. 

Text: Legende der Lakota, Bildquelle: © Fotolia/Brian Jackson/Fotolia

 

Die Blinden und der Elefant

Die Blinden und der Elefant

Es waren einmal fünf weise Gelehrte. Sie alle waren blind. Diese Gelehrten wurden von ihrem König auf eine Reise geschickt und sollten herausfinden, was ein Elefant ist. Und so machten sich die Blinden auf die Reise nach Indien. Dort wurden sie von Helfern zu einem Elefanten geführt. Die fünf Gelehrten standen nun um das Tier herum und versuchten, sich durch Ertasten ein Bild von dem Elefanten zu machen.

Als sie zurück zu ihrem König kamen, sollten sie ihm nun über den Elefanten berichten. Der erste Weise hatte am Kopf des Tieres gestanden und den Rüssel betastet. Er sprach: “Ein Elefant ist wie ein langer Arm.” Der zweite Gelehrte hatte das Ohr des Elefanten ertastet und sprach: “Nein, ein Elefant ist vielmehr wie ein großer Fächer.” Der dritte Gelehrte sprach: “Aber nein, ein Elefant ist wie eine dicke Säule.” Er hatte ein Bein des Elefanten berührt. Der vierte Weise sagte: “Also ich finde, ein Elefant ist wie eine kleine Strippe mit ein paar Haaren am Ende”, denn er hatte nur den Schwanz des Elefanten ertastet. Und der fünfte Weise berichtete seinem König: ” Also ich sage, ein Elefant ist wie eine riesige Masse, mit Rundungen und ein paar Borsten darauf.” Dieser Gelehrte hatte den Rumpf des Tieres berührt.

Elefant

Nach diesen widersprüchlichen Äußerungen fürchteten die Gelehrten den Zorn des Königs, konnten sie sich doch nicht darauf einigen, was ein Elefant wirklich ist. Doch der König lächelte weise: “Ich danke Euch, denn ich weiß nun, was ein Elefant ist: Ein Elefant ist ein Tier mit einem Rüssel, der wie ein langer Arm ist, mit Ohren, die wie Fächer sind, mit Beinen, die wie starke Säulen sind, mit einem Schwanz, der einer kleinen Strippe mit ein paar Haaren daran gleicht und mit einem Rumpf, der wie eine große Masse mit Rundungen und ein paar Borsten ist.”

Die Gelehrten senkten beschämt ihren Kopf, nachdem sie erkannten, dass jeder von ihnen nur einen Teil des Elefanten ertastet hatte und sie sich zu schnell damit zufrieden gegeben hatten.

Text: unbekannt, Bild: © Fotolia/Policas
Die Geschichte vom Leben

Die Geschichte vom Leben

Es war einmal ein großer, weiser Mann. Der holte eines Tages einen kleinen Jungen zu sich, denn er wollte ihm das schönste Spiel beibringen, das er kannte. Der weise Mann wusste aber, dass das Spiel nicht ungefährlich ist. Aber der Wert dieses Spiels ist immens und er liebte diesen Jungen. So ging er das Risiko ein.

Der weise Mann holte Kugeln aus herrlich buntem Glas hervor und erklärte dem Jungen: “Sieh her! Ich werde dir jetzt eine dieser Glitzerkugeln nach der anderen zuwerfen. Jede hat eine andere Farbe und einen anderen Namen. Diese hier heißt FREUDE, jene LEID, diese hier GEDULD und dieses Prunkstück nennt sich LIEBE. Du sollst mir jede dieser Kugeln sofort wieder zurückwerfen.”

Alter Mann

Und das Spiel begann. Es war eine Pracht, dem Spiel zuzusehen. Zwischen dem alten Mann und dem Jungen flogen die Kugeln in den buntesten Farben glitzernd hin und her. Aber dann wollte der Junge die schönste von allen Kugeln festhalten. Er drückte sie entschieden an sich – und die Kugel zerbrach. 

Vor Schreck vergaß der Junge, die nächste Kugel zu fangen und dann lag auch diese in tausend Scherben am Boden. Er versuchte verzweifelt, wenigstens eine der Kugeln zu halten. Dabei wurde der Haufen an Scherben um ihn herum immer größer. Zugleich schnitten die Scherben in seine Hände, er blutete bald aus zahlreichen Wunden.

Beim Zusehen wurde dem weisen Mann das Herz schwer, denn er liebte ja den Jungen. Er ging zu dem Kind hinüber, bückte sich runter, hob alle Scherben auf und trug sie auf seine Seite. Dabei fügte er sich selbst viele Schnitte zu, doch die Kugeln fügten sich unter seinen Händen wieder zusammen. Merkwürdig: Jede neue Wunde in den Händen des Mannes heilte eine Wunde des Jungen. Schließlich war der weise Mann so zerschnitten, dass das Spiel scheinbar unmöglich weitergehen konnte. Doch der weise Mann stand auf und hob an, die Kugeln von Neuem zu werfen.

Zuvor sagte er zum Jungen: “Der Sinn dieses Spieles lautet: GEBEN und NEHMEN im Wechsel. Nur im Flug glänzen die Kugeln so hell, wie sie es sollen! Zwischen GEBEN und NEHMEN schimmern die Farben der Kugeln – und das Spiel wird sehr gut. Wollen wir es noch einmal probieren?“ Diesmal hatte der Junge begriffen.

Als die FREUDE kam, als die GEDULD kam, als die LIEBE kam, als eine glänzende Kugel nach der anderen kam, warf er sie dem weisen Mann wieder zu – und alle glitzerten herrlich im Flug. Als das LEID kam, machte er es genauso und siehe da: noch im Flug änderte sich die Farbe des Leides in die Farbe der FREUDE.

Jede Bewegung des Jungen war jetzt auf den weisen Mann gerichtet. Und siehe, das Spiel war sehr gut.

Text: Autor unbekannt, Bildquelle: © Fotolia/Kempol

 

Zwei Frösche im Sahnetopf

Zwei Frösche im Sahnetopf

Eines Tages fielen zwei Frösche in einen Sahnetopf. Beide strampelten wie verrückt um wieder hoch zu kommen. Nach kurzer Zeit gab der eine entmutigt auf. „Es macht ja doch keinen Sinn, sich weiter abzumühen. Da kommen wir nie wieder raus“, meinte er und ertrank.

Der andere Frosch jedoch strampelte unentwegt weiter und das Wunder geschah. Die Sahne begann sich immer mehr zu verdichten und wurde schlussendlich zu Butter. Auf der festen Butter stehend, brauchte er nur noch einen einzigen, mutigen und entschlossenen Sprung. Er verließ den Topf, ermattet aber gesund. Er hatte es geschafft! 

Mögen wir Menschen 2018 ebenfalls einen guten Boden unter unsern Füssen haben und mutig auf der Erde unseren Weg finden. 

Bildquelle: Fotolia/kuritafsheen

 

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