Der Großvater und sein Enkel

Der Großvater und sein Enkel

Sitzender Großvater

Es war einmal ein Großvater, der schon sehr, sehr alt war. Seine Beine gehorchten ihm nicht mehr, die Augen sahen schlecht, die Ohren hörten nicht mehr viel und Zähne hatte er auch keine mehr. Wenn er aß, floss dem alten Mann die Suppe aus dem Mund. Der Sohn und die Schwiegertochter ließen ihn deshalb nicht mehr am Tisch mitessen, sondern brachten ihm sein Essen hinter den Ofen, wo er in seiner Ecke saß.

Eines Tages, als man ihm die Suppe in einer Schale hingetragen hatte, ließ er die Schale fallen und sie zerbrach. Die Schwiegertochter machte dem Greis Vorwürfe, dass er ihnen im Haus alles beschädige und das Geschirr zerschlage und sagte, dass sie ihm von jetzt an das Essen in einem Holzschüsselchen geben werde. Der Greis seufzte nur und sagte nichts.

Als der Mann und die Frau einige Tage später zu Hause beisammen saßen, sahen sie, dass ihr Söhnchen auf dem Fußboden mit kleinen Brettern spielte und etwas zimmerte. Der Vater fragte ihn: “Was soll das denn werden, Mischa?” Und Mischa antwortete: “Das soll ein Holzschüsselchen werden, Väterchen. 

Milchuppe

Daraus werde ich dir und der Mutter zu essen geben, wenn Ihr alt geworden seid.“ Der Mann und die Frau sahen sich an und weinten. Ihnen wurde plötzlich bewusst, wie sehr sie den Greis gekränkt hatten und sie schämten sich. Fortan ließen sie ihn wieder am Tisch sitzen und waren freundlich zu ihm.

Die Geschichte vom Großvater und seinem Enkel habe ich als Kind gehört. Achtsamkeit und Rücksichtnahme den Menschen, Tieren und der Natur gegenüber sind gefragter und angesagter den je. Es ist hilfreich, hin und wieder einen “Spiegel vorgehalten” zu bekommen und sich hierdurch des eigenen Verhaltens bewußter zu werden. 

©Text: nach Tolstoi, Bildquelle: Cornelia, Ildi Fotolia.de

Achtsamkeit

Achtsamkeit

Der menschliche Geist hält ununerbrochen nach Dingen Ausschau und beginnt diese Dinge mit Aufmerksamkeit zu prüfen. Der Geist sortiert diese Dinge und prüft, ob sie wichtig sein können. Ein Fluss von Gedanken durchströmt ständig unseren Verstand. Dadurch fühlen wir uns wie in einem Strudel von Gedanken und Gefühlen – die ein Eigenleben zu haben scheinen. Das Interesse, die Neugier der Betrachtung, lässt meistens dann nach, wenn sich herausstellt, dass uns “diese Dinge” bekannt sind. Die Schönheit einer Erfahrung und des eigenen Erlebens können wir aber nur wahrnehmen, wenn wir sie ohne Erinnerungen, Meinungen und Wertung betrachten. Nur das Jetzt zählt.  

(c) Angelika Schacht

Oft lassen wir uns von den Meinungen anderer Menschen beeinflussten, die uns ihre eigene Sicht der Dinge überstülpen möchten. Sie möchten uns aufgrund ihrer Sichtweise und Wahrnehmung vermitteln, wie die Welt zu sein hat, wie Menschen sich verhalten sollten, was im Leben erreicht werden muss. In solchen Augenblicken fühlen wir uns frustriert, besorgt und bedrückt.

In Augenblicken der Achtsamkeit – auch in schmerzvollen Momenten, bedeutet Achtsamkeit der Gegenwart die ganze Aufmerksamkeit zu schenken. In Momenten der Achtsamkeit zeigen wir Interesse, Offenheit und Akzeptanz. Achtsamkeit zeigt sich durch:

  • Freiheit im Denken
  • Mitgefühl für andere
  • Suche nach Frieden 
  • Austausch in der Gegenwart
  • Ehrfurcht vor dem Leben

Wenn wir diese Inhalte in unserem Leben berücksichtigen und dem Augenblick intensive Aufmerksamkeit schenken, müssen wir unsere bisherigen Erfahrungen und unser Wissen loslassen und eigene Neugier aktivieren. Nichts voraussagen und nichts vorwegnehmen. Ankommen in diesem Leben, in diesem Augenblick. Jeder Augenblick ist etwas Einmaliges und Wertvolles. 

Das Wort acht hat indogermanische Wurzeln. Das chemische Element mit der Ordnungszahl Acht ist der Sauerstoff. In Mythen, Sagen und Märchen hat die Acht eine besondere Bedeutung. Odins Pferd Sleipnir hat acht Beine. Acht Menschen werden in Noahs Arche gerettet. In der ägyptischen Götterlehre herrschen acht Gottheiten als Urkräfte. Die Acht gilt als Zahl der Unendlichkeit. Sie scheint zwei Welten durch Berührung zu vereinen.  

Ich lade dich ein – Achtsam zu sein.

© Bildquelle: © Angelika Schacht

error: Content is protected !!