Eine Nase voll - Schlehe

Ganz früh am Morgen führt mich mein Weg am Nordostseekanal entlang, wenn ich mit meinem Hund spazieren gehe. Direkt auf der gegenüberliegenden Kanalseite geht die Sonne auf. Ich schätze das Erwachen der Natur, die Stille, die mitunter unterbrochen wird durch Schiffe, die mit ihrer Fracht den Kanal nutzen. Ein kleiner Waldstreifen säumt den Kanal, er dient den Schiffen als Windschutz. 

Zur Zeit blühen unzählige Schlehen reinweiß, soweit das Auge reicht. Ein sanfter und betörender Duft nach Mandeln liegt hier in der Luft. In unserem Kulturkreis assozieren wir Weiß mit dem Gefühl von Freude (Bräute, Täuflinge). Mit Weiß verbinden wir Unschuld, Reinheit und Jungfräulichkeit. Weiß steht auch für Frieden, Stille, Leere, Wertfreiheit. Auch ist Weiß ein Symbol für Unsterblichkeit und Unendlichkeit. Anders als im westlichen Kulturkreis tragen Buddisten weiß als Zeichen der Trauer. 

In alten Zeiten ließ sich mit der Schlehe das Wetter voraussagen. Traten die Schlehen gehäuft auf, bedeutete dies, einen besonders strengen Winter. Um einen genauen Getreide Erntetermin um den 25. Juli (Jakobi Tag) zu bestimmen, wurden die Tage, die zwischen dem Erblühen der Schlehe und dem 23. April (Georgi Tag) lagen, gezählt. Höfe und Weiden für Tiere wurden oft mit Schlehen umpflanzt, da dem dornenreichen Gehölz eine Schutzwirkung gegen „Hexen und Unholde“ zugeschrieben wurde. Es gibt viele Legenden, die von der auffälligen, frühblühenden weißen Blüte der Schlehe handeln. 

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Die Schlehe symbolisiert den Übergang zwischen dem Diesseits und dem Jenseits. Sie ist eine Schwelle in die parallelen Wirklichkeiten. Ein dornenreicher Zaun auf der die Hagzussa reitet. Im Frühling verwandeln sich die zarten weißen Blüten, im Laufe des Sommers, in dunkle fast schwarze Beeren. Im Winter nehmen wir am Schlehenstrauch ein Gewirr aus schwarzen Ästen wahr. Ein Symbol für die schwarze Winter und Todesgöttin. Die dornenreiche Schlehe wandelt sich im darauffolgenden Frühling wieder in die weiße blütenreiche jungfräuliche Frühlingsgöttin. Der Kreislauf des Lebens - eine ständige Wechselwirkung. Es scheint so, als verkörpere die Schlehe - schwarze und weiße, „positive“ und auch „negative“ Aspekte. So zieht sie Wesen an, kann sie jedoch auch bannen. 

Mich erinnert die Schlehe in der europaweiten, von Ansteckungsgefahr und Krankheit geprägten Situation, daran, Mut zu behalten und Veränderungen zu akzeptieren. Ganz bewusst gehe ich jeden Morgen zu den Schlehen und nehme eine Nase voll Hoffnung. 


<©Text: Angelika Schacht, Bildquelle: LinieLux-AdobeStock>


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